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Eidgenössisches Musikfest 2026 in Biel – oder: wie man in vier Tagen Musik, Prosecco und Wäsche-klammern vereint

Schon als der Entscheid zur Teilnahme am Eidgenössischen Musikfest gefällt wurde, war klar: Einfach nach Biel fahren, spielen und wieder nach Hause reisen, kommt für die Stadtmusik Dietikon (SMD) nicht in Frage. Nach dem Motto «Dörfs es bitzli meh sii?», wurde das Musikfest kurzerhand mit einer viertägigen Vereinsreise kombiniert – eine Entscheidung, die sich als hervorragende Idee herausstellte. Aber der Reihe nach:


Am Auffahrtsdonnerstag besammelten wir uns um 06.45 Uhr beim Probelokal in Dietikon, wo bereits ein Car mit Anhänger auf uns wartete. Bevor es losgehen konnte, mussten aber zuerst mal Instrumente, Notenständer, Uniformen und persönliche Gepäckstücke irgendwie Platz finden – das glich einem logistischen Meisterwerk irgendwo zwischen Tetris-Meisterschaft und physikalischem Grenzexperiment. Pünktlich um 07.10 Uhr erfolgte die Abfahrt. Bei einigen war zu dieser Zeit die innere Uhr offensichtlich noch leicht im Energie-Sparmodus.


In Solothurn bestiegen wir das Schiff, wo bereits ein wunderbares Brunch-Buffet für uns bereitstand. Während der Schifffahrt Richtung Biel wurde bereits fleissig auf das bevor-stehende Wochenende angestossen. Die Stimmung war hervorragend, die Gespräche lebhaft und die Vorfreude riesig. Ganz nebenbei stellten wir noch einen neuen Weltrekord auf:


Abfahrt in Solothurn um            09.00 Uhr Prosecco leer                            09.22 Uhr


Gerade mal 22 Minuten dauerte es bis zu diesem logistischen Rückschlag, von dem sich das Korps jedoch dank bemerkenswerter Flexibilität (= Ausweichen auf Weisswein) erstaun-lich schnell erholte.



Gegen Mittag trafen wir in Biel ein – und dort wurde schnell klar: beim Hotel hatten wir definitiv den Jackpot gezogen. Direkt neben dem Festgelände. Wirklich direkt. Während andere Vereine in Turnhallen oder Hotels nach Bern, Delémont, Neuenburg ausweichen mussten, hatten wir maximal 37 Sekunden Fussweg bis mitten ins Festgeschehen und wir konnten von dort auch direkt ins Bett fallen. Auch Funktionäre, Mitglieder des OKs, Komponisten und allerlei bekannte Gesichter der Blasmusikszene gingen in «unserem» Hotel ein und aus – man fühlte sich fast ein wenig wichtig.



Nach dem Zimmerbezug wurde das Festgelände ausgiebig getestet – sowohl musikalisch als auch gastronomisch. Am Abend trafen wir uns alle gemeinsam in der nahen Osteria Pizza Pasta. Dort wurden wir ausgezeichnet verköstigt. Pizza, Wein und Limoncello sorgten dafür, dass spätestens jetzt endgültig Feststimmung herrschte. Einige dürften zu diesem Zeitpunkt bereits vergessen haben, welcher Wochentag überhaupt war. (Anmerkung der Redaktion: Bewerbungen als Sponsor dieses Nachtessens bitte direkt ans SMD-EMF-OK😉). Um beim anschliessenden Workout auf den Festbänken trotz Pizza nicht versehentlich ins Kaloriendefizit zu rutschen, griff der eine oder die andere vorsorglich zu isotonischen Hopfen- und Traubengetränken.



Entsprechend verhalten startete der Freitagmorgen. Dafür aber mit einem ausgezeichneten Frühstück im Hotel und der persönlichen Begrüssung durch die OK-Präsidentin des EMFs – was vermutlich nicht jeder Verein von sich behaupten kann. Vielleicht lag es am Hotel. Vielleicht aber auch einfach an uns😉.


Danach ging es weiter zum Château Salavaux, wo wir einen musikalischen Zwischenhalt einlegen durften. Bereits beim Aufbau wurde klar: Die Platzverhältnisse waren… sagen wir… ambitioniert. Gespielt wurde daher stehend und ein drei Zentimeter grosser Schritt nach vorne führte unweigerlich dazu, dass man dem Vordermann die Posaune in den Rücken rammte. Das Nichtvorhanden sein von persönlichen Komfortzonen hatte aber den riesigen Vorteil, dass wir extrem kompakt zusammen, mitten im Klang standen, praktisch im kollektiven musikalischen Ausnahmezustand. Das Publikum erlebte ein tolles Konzert und für uns selber war dieser Auftritt trotz – oder vielleicht gerade wegen – der Platzverhältnisse ein ganz besonderes Erlebnis.



Als Dank wurden wir von Rinaldo Benedetto anschliessend zu einem hervorragenden Mittagessen eingeladen – kulinarisch waren wir an diesem Wochenende ohnehin permanent auf sehr hohem Niveau unterwegs. Vielen herzlichen Dank an unseren Sponsor!


Am Nachmittag stand dann eine Weindegustation auf dem Domaine des Marnes auf dem Programm. Rückblickend darf man wohl festhalten: Sie wurde sehr ernst genommen.



Denn spätestens am Abend entwickelte sich aus einer harmlosen Idee ein vereinsinternes Grossprojekt. Im Car waren ursprünglich Wäscheklammern verteilt worden, damit bei einem allfälligen Outdoorkonzert auch bei Wind die Noten auf den Ständern bleiben. Doch kreative Köpfe erkannten schnell das wahre Potenzial dieser kleinen Objekte: Die Chlüpperli wurden mit SMD-Botschaften versehen und anschliessend möglichst unauffällig auf dem Festgelände an anderen Personen befestigt und in Umlauf gebracht. Zusatzpunkte gab es für besonders schwierige Zielpersonen, mutige Aktionen oder prominente Opfer. Wie viele ahnungslose Musikfestbesucher am Sonntagabend noch mit einer SMD-Chlüpperli nach Hause reisten, bleibt bis heute ungeklärt.



Der Samstagmorgen startete überraschend kultiviert. Nach dem Frühstück ging es nach Walperswil zur Probe, wo wir uns dem letzten Feinschliff widmeten.



Das anschliessende von Marco Scheurer spendierte Mittagessen im Restaurant Traube war ausgezeichnet und die Gastfreundschaft grossartig. Vorspeise, Hauptspeise, Dessert, Wein, Wasser (🙊) und Kaffee – es fehlte uns erneut an nichts. Ein grosses Dankeschön an Marco!



Am Abend zog es uns natürlich wieder ans Fest. Einige in die Konzertlokale. Andere vermutlich eher zur strategischen Weiterentwicklung der Chlüpperli-Challenge.


Dann kam der grosse Tag.


Nach dem Frühstück und dem Einspielen im City Hotel galt es im Konzertlokal Nebia ernst. Die Nervosität war bei vielen deutlich spürbar. Schliesslich hatte man lange auf diesen Wettbewerb hingearbeitet. Unser Aufgabenstück «Metamorphosis» von Thomas Chlüpperli ääähhhh Trachsel und auch das Selbstwahlstück «The Last Forest Fairy» (Ralph Uhl) gelangen uns sehr gut. Entsprechend zufrieden waren wir nach dem Vortrag mit unserer Leistung.



Beim anschliessenden gemeinsamen Apéro – spendiert von der Harmonie Schlieren (Daaaaankeeee!!!) - wurde deshalb verdient angestossen. Die Stimmung war gelöst, die Erleichterung gross und der Stolz über den gelungenen Auftritt spürbar. Vor allem aber war es einfach mega schön, diesen Moment gemeinsam geniessen zu können.




Nach einem gut organisierten (immerhin mussten innert 1 Stunde rund 1'000 Musiker verpflegt werden) und feinen Mittagessen stand noch ein kurzes Fotoshooting auf dem Programm – dieses verlief erstaunlich effizient für eine Gruppe von knapp 70 Personen.



Für den krönenden Abschluss sorgte schliesslich der improvisierte Rückmarsch mit dem Sechseläutenmarsch. Da allerdings Noten und die Perkussionsinstrumente fehlten und die Formation sehr spontan zusammengestellt worden war, erinnerte das Ganze mehr an einen leicht übermotivierten Schülerumzug als an ein wettbewerberprobtes Musikkorps. Die zweimalige Umrundung des Kreisels führte dabei vermutlich zur leichten Verwirrung des Verkehrs, welcher jedoch durch unsere Perkussions-Kadetten erfolgreich in Schach gehalten wurde.



Die Rangverkündigung war erst auf 18.00 Uhr angesagt, weshalb wir schon im Vorfeld entschieden hatten, diese nicht abzuwarten. Die Rückreise verlief – trotz Weisswein-begleitung – erstaunlich ruhig. Während bei einigen der Akku schon langsam in den kritischen Bereich kam, hätte der harte Kern wohl ohne zu zögern noch eine Polonaise durch den ganzen Car oder gleich noch ein Wettrennen angezettelt.



Obwohl das Resultat nach diesem Wochenende in den Hintergrund gerückt war, sass später wohl trotzdem so mancher mit leicht nervösen Fingern am Handy und aktualisierte die EMF-App im Minutentakt. Als die Punktzahl schliesslich erschien, blieb die Freude über unseren gelungenen Auftritt absolut ungetrübt. Dass wir nicht als strahlende Festsieger nach Hause fahren würden, war uns durchaus bewusst gewesen – und die Platzierung entsprach auch unseren Erwartungen.


Als Schweizer Meister dürfen wir uns trotzdem irgendwie fühlen – wenn auch eher in der Kategorie «Organisation einer Vereinsreise mit 70 Personen, perfektem Hotel, grossartiger Stimmung und erstaunlich wenig Kollateralschäden». Ein ganz, ganz grosses Dankeschön an dieser Stelle unseren beiden Vereinsreise-Organisatoren Jean-Pierre Balbiani und Reto Siegrist – es war einfach perfekt!


Das Eidgenössische Musikfest Biel 2026 wird uns noch lange in bester Erinnerung bleiben: wegen der Musik, wegen der Kameradschaft, der guten Organisation, der tollen Stimmung, der perfekten Lage des Hotels – und vermutlich auch wegen einiger Chlüpperli, die bis heute irgendwo in Biel im Umlauf sein dürften.


Text: Bea Rieser und Bettina Sauter

Fotos & Videos: Diverse SMD-Mitglieder

 
 
 

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